Auszug einer Trauerrede

© Christian Gröschke, Juli 2004

Abschied genommen hat jeder schon einmal in seinem Leben, von Kindergartenfreunden, von Klassenkameraden, von Arbeitskollegen, von Familienmitgliedern, von Freunden oder von Dingen, die einem sehr lange Zeit am Herzen gelegen haben. Diese Abschiede kann man verstehen, hat sie zum Teil ja schließlich selber in die Wege geleitet.


Abschied nehmen gehört zu unserem Leben. Von Weggefährten, Freunden, Kollegen – und manchmal von Menschen, die wir am meisten lieben. Diese Abschiede verstehen wir selten. Und doch begleiten sie uns, denn in unseren Erinnerungen bleiben geliebte Menschen lebendig.
Heute erinnern wir uns an einen Mann, einen Vater, Partner und Großvater, und wir wollen gemeinsam einen Blick zurückwerfen auf sein Leben.


Gute Worte brauchen wir alle – besonders in schweren Zeiten. Worte, die Mut machen, die Halt geben, die sagen: Du bist nicht allein. Wenn wir uns heute umschauen, sehen wir: Er war nicht allein. Viele Menschen, die ihn liebten, sind hier, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten.
Geboren in einer Stadt, die längst ein anderer Ort geworden ist, wuchs er in einfachen Verhältnissen auf und zog als junger Mann mit seiner Familie in eine neue Region, in der er Wurzeln schlug. Später lernte er die Frau kennen, mit der er sein Leben teilte – eine Partnerschaft, die Jahrzehnte Bestand hatte und in der Kinder heranwuchsen.


Er war ein ruhiger Mensch. Einer, der nicht viele Worte machte, aber verlässlich war. Lange Jahre arbeiteten er und seine Partnerin selbstständig – eine Zeit, in der kaum Raum blieb für Urlaub oder Freizeit. Ein Leben, das viel Kraft verlangte.


Als diese Zeit endete, veränderte er sich. Er wurde offener, gesprächiger, neugieriger auf das Leben. Er begann zu reisen, entdeckte neue Orte, neue Länder, sogar eine andere Welt auf einem anderen Kontinent. Er, der früher so selten unterwegs war, wagte sich in die Ferne – und fand Freude daran, Neues zu sehen und Geschichten mitzubringen.


Diese Reisen waren Meilensteine – nicht nur auf der Landkarte, sondern in seinem eigenen Leben. Er wuchs daran, gewann Gelassenheit, fand neue Hobbys und lernte, das Leben auch in kleinen Dingen zu genießen. Besonders stolz war er auf seine Kinder und Enkel – sie waren sein größtes Glück.


Doch schließlich wurde sein Weg beschwerlich. Eine schwere Krankheit begleitete ihn über Monate, brachte Hoffen und Bangen, gute und schlechte Tage. Er hatte sich noch einen neuen Lebensabschnitt gewünscht – ein Zuhause, in dem er es mit seiner Partnerin leichter haben würde. Doch die Zeit war ihm nicht vergönnt.
Heute sind wir traurig. Traurig über den Abschied, traurig über all das, was nicht mehr sein kann.

Und doch dankbar für das, was er gegeben hat: Liebe, Verlässlichkeit, Geschichten, Erinnerungen.
Das Lied, das wir nun hören, soll wie eine leise Verneigung sein – eine Hymne an sein Leben und an das, was bleibt.