Auszug einer Trauerrede

© Christian Gröschke, November 2009

Liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde,

wir sind heute hier zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von einem Menschen, der viele Jahre Teil des Lebens seiner Familie war. Sein Weg begann in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts – ein Leben, geprägt von einer anderen Zeit – und endete hier, in unserer Nähe.


Abschied zu nehmen fällt immer schwer, ob für einen Moment oder für immer. Der Tod ist endgültig – und doch hoffen wir, unabhängig von unserem Glauben oder unserer Religion, dass der Verstorbene nun Frieden gefunden hat. Auch wenn der Körper nicht mehr bei uns ist, so bleibt er in unseren Gedanken lebendig.
Der Moment des Abschieds lässt uns innehalten. Manches bleibt ungesagt, vieles ungedacht ausgesprochen. Wir lassen Vertrautes zurück – Halt, Nähe, Sicherheit. Und doch entsteht gerade jetzt jene Zartheit der Gedanken, die weiterhin verbindet.


Ich möchte Ihnen einen Vers vorlesen, der Trost spenden kann:
„Du warst – das können wir nicht hinnehmen, es klingt nur wie: verloren. Du bist – und wirst es immer sein, in unseren Herzen, unseren Gedanken, unseren Träumen und in unseren Erinnerungen: Du bist.“
Eine lange gemeinsame Lebenszeit, eine Partnerschaft, die Jahrzehnte getragen hat, ist ein Zeichen dafür, wie stark Erinnerungen Menschen verbinden können – selbst über den Tod hinaus.
Der Philosoph Immanuel Kant sagte einmal:

„Wer in der Erinnerung lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird.“


Jede und jeder von Ihnen trägt Erinnerungen an den Verstorbenen in sich. So bleibt er – auf seine Weise – gegenwärtig.


Nun stehen wir am Grab. Es ist kalt, der Wind weht, und wir spüren die Leere. Der Verlust macht uns sprachlos. Wir fragen nach dem Warum – und manchmal bleiben diese Fragen offen. Doch eines bleibt gewiss: Wir sind nicht allein. Wir tragen einander durch die Trauer.


Auf Wiedersehen – dieses Wort begleitet uns durchs Leben. Am Ende eines Weges steht der Abschied, doch in jedem Abschied liegt auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen – in welcher Form wir es uns auch vorstellen mögen.


Ich wünsche Ihnen allen Kraft für die kommende Zeit. Bewahren Sie die Erinnerung an den Verstorbenen so, wie sie Ihnen persönlich wichtig ist.


Nun haben Sie die Möglichkeit, in aller Ruhe und Stille Abschied zu nehmen.