Auszug einer Trauerrede

© Christian Gröschke, April 2022

Es ist schön, euch heute hier zu sehen – verbunden durch den Abschied von einer besonderen Frau.
Geboren 1935, gestorben 2022.

Bewahren wir sie in unseren Herzen; dort lebt sie weiter.

Ich lernte sie 2007 kennen, als ich ihrem Sohn vorgestellt wurde. Ich war etwas nervös, doch wir mochten uns sofort. In der Familie hatte sie einen liebevollen Spitznamen, den sie selbst zwar nicht besonders mochte, der aber blieb. So war sie: herzlich, offen, geduldig.

Ihr Mann war viele Jahre zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen. Danach wuchsen sie und ihr Sohn noch enger zusammen. Später zog sie in eine Wohnung in der Stadt, wo ich immer ein gern gesehener Gast war. Viele Begegnungen mit ihrer Familie bleiben mir in Erinnerung – Geburtstage, Feiern und gesellige Nachmittage. Sie liebte Musik, Gemeinschaft und fröhliche Runden. Die Zeile aus einem Lied, das wir heute hören durften, passte gut zu ihr:

„Wenn Musik erklingt, lasst mich bei euch sein.“

Ihr Sohn zog einige Jahre später in eine andere Stadt. Sie wollte ihre vertraute Umgebung zunächst nicht verlassen – doch die Verbindung blieb eng. Viele Wochenenden, Ausflüge und gemeinsame Unternehmungen folgten: Besuche in Restaurants, Spaziergänge, kleine Reisen und liebevoll geplante Familientreffen. Besonders gern mochte sie gemütliche Essen, Feste im Garten und ein Glas Wein in geselliger Runde.

2012 zog sie schließlich in die Nähe ihres Sohnes. Von da an verbrachten wir noch mehr Zeit miteinander: Ausflüge in die Umgebung, Besuche von Veranstaltungen, Treffen mit Nachbarn und Freunden. Sie war kontaktfreudig und kam schnell mit Menschen ins Gespräch. Besonders genoss sie gemeinsame Feiern – Geburtstage, Hochzeiten und Familienfeste, bei denen sie immer mitten im Leben stand.

Sie sprach auch über die schweren Seiten ihres Lebens: über ihren Mann, über schmerzliche familiäre Situationen und über Verluste, die sie tief getroffen hatten. Eine Liedzeile beschreibt ihr Leben treffend:
„Hab mein Leben gelebt, geliebt und gelitten … und es war schön.“

Schon früh begannen gesundheitliche Probleme, die sie zunehmend einschränkten. Sie wurde vergesslicher, aber sie hielt so lange es ging an ihren täglichen Spaziergängen fest – erst allein, später mit Unterstützung. Der Tod eines nahen Angehörigen belastete sie sehr. Auch die Corona-Zeit machte ihr zu schaffen, selbst wenn sie selten darüber sprach.

Im Winter 2022 begleiteten wir sie auf eine letzte gemeinsame Reise, die sie sehr genoss.

Kurz darauf ließen ihre Kräfte spürbar nach. Am 22. März durfte sie friedlich gehen.

Und so begleiten wir sie heute auf ihrem letzten Weg – hier an diesen ruhigen Ort im Wald, an dem sie nun ihre letzte Ruhe findet.